Die 10 schönsten Orte in BiH – 3 kaum bekannte
Meine persönliche Liste nach einem Leben in Sarajevo – ehrlich, ungeschönt, mit Insider-Wissen
Autor: Selma Jusufović
Warum diese Liste anders ist – und wer sie geschrieben hat
Ich werde oft gefragt, welche Orte in Bosnien & Herzegowina ich am meisten liebe. Die Frage klingt einfach, ist sie aber nicht. Ich bin hier aufgewachsen, habe dieses Land in all seinen Jahreszeiten erlebt – im Schnee der Bjelašnica, im Sommer am Kravica-Wasserfall, in der Stille des Perućica-Urwalds. Ich habe die Baščaršija an einem Dienstagmorgen im November erlebt, wenn kein Tourist weit und breit ist, und ich kenne Mostar zu einer Zeit, als die Brücke noch nicht auf jedem Instagram-Feed war.
Diese Liste ist keine Zusammenfassung aus Reiseblogs. Sie ist mein persönliches Urteil – mit allem, was dazugehört: Begeisterung, aber auch Ehrlichkeit über das, was mich nervt oder was überschätzt wird. Drei der zehn Orte tauchen in keinem deutschen Reiseführer auf, den ich kenne. Das wird sich hoffentlich bald ändern.
Die Klassiker – zu Recht berühmt, aber richtig besucht
1. Sarajevo – aber bitte nicht nur die Baščaršija
Sarajevo ist meine Stadt, und ich bin befangen. Aber ich sage auch: Wer Sarajevo nur auf den osmanischen Bazar reduziert, verpasst das Wesentliche. Die Stadt ist ein lebendiges Archiv. Auf 200 Metern stehen Moschee, Kathedrale, orthodoxe Kirche und Synagoge – und das ist keine Touristenattraktion, das ist Alltag.
Was ich empfehle: Geh früh morgens auf die Gelbe Bastion (Žuta Tabija), bevor die Reisegruppen ankommen. Die Aussicht auf die Stadt im Morgennebel, mit dem Ruf des Muezzins aus einem Dutzend Minaretten – das ist Sarajevo. Danach: Frühstück in einem der kleinen Lokale in Bjelave, dem Hipster-Viertel oberhalb der Altstadt, wo noch echte Bewohner frühstücken, nicht Touristen.
Die Vijećnica, das neomaurische Rathaus, ist nach der Restaurierung wieder zugänglich und atemberaubend. Und die Galerija 11/07/95 ist kein Ort für Touristen-Fotos – sie ist ein Ort, der verändert. Plane mindestens zwei Stunden ein.
2. Mostar – am besten um 8 Uhr morgens
Ja, Mostar ist überlaufen. Im Juli und August drängen sich Tausende auf der Stari Most, der 1566 von Hayruddin erbauten osmanischen Bogenbrücke aus Tenelija-Kalkstein. Das ist die Realität. Aber Mostar ist trotzdem unverzichtbar – wenn man es richtig macht.
Mein Tipp: Übernachte in der Stadt. Nicht im Tagesausflug kommen. Um 8 Uhr morgens gehört die Brücke dir. Das Licht fällt von Osten, die Neretva leuchtet türkis, kein Souvenirhändler hat noch geöffnet. Ich habe diesen Moment 2023 mit einer Gruppe von Kulturjournalisten erlebt, und alle waren still. Das sagt alles.
Die Kujundžiluk-Altstadt ist trotz Touristifizierung authentisch, wenn man die Seitengassen betritt. Das Muslibegović-Haus (ein osmanisches Stadthaus aus dem 18. Jahrhundert, heute Boutique-Hotel und Museum) ist einer der unterschätztesten Orte der ganzen Herzegowina.
3. Blagaj – die Tekija am Fluss
Zwölf Kilometer von Mostar, und doch eine andere Welt. Die Tekija in Blagaj ist ein Mevlevi-Derwischkloster aus dem 17. Jahrhundert, das direkt an der Buna-Quelle klebt – einer der größten Karstquellen Europas, aus der täglich bis zu 43.000 Liter Wasser pro Sekunde schießen. Das Gebäude scheint aus dem Fels zu wachsen.
Ich war zuerst 2009 hier, für einen Artikel im Sarajevo Times Kultur. Seitdem kehre ich regelmäßig zurück. Der Eintritt zur Tekija kostet 5 KM (ca. 2,50 €), und es lohnt sich. Die Restaurants direkt am Fluss servieren frische Forelle – bestell die gegrillte Variante mit Ajvar.
4. Kravica-Wasserfälle – schwimmbar, aber nicht im August
Der Kravica-Wasserfall ist 25 Meter hoch und 120 Meter breit – ein Halbkreis aus Travertin, in dem man tatsächlich schwimmen kann. Im Hochsommer kostet der Eintritt 10 €, und es ist voll. Sehr voll. Mein Rat: Mai oder September. Im Frühjahr führt der Wasserfall mehr Wasser, das Grün ist frischer, und du hast ihn fast für dich.
5. Nationalpark Sutjeska – der älteste Urwald Europas
Der Perućica-Urwald im Nationalpark Sutjeska ist einer der letzten Primärwälder Europas. Buchen und Tannen, die 300 Jahre alt sind. Bäume, die einfach fallen dürfen und dann als Totholz verrotten – ohne Eingriff des Menschen. Das ist keine Metapher. Das ist Ökologie in Reinform.
Wichtig: Der Urwald ist nur mit einem zertifizierten Guide zugänglich, maximal 16 Personen pro Tag. Das ist kein bürokratisches Hindernis, das ist Schutz. Buchung über den Nationalpark Sutjeska direkt. Der höchste Berg des Landes, der Maglić (2.386 m), liegt ebenfalls hier – eine Besteigung, die ich 2019 unternommen habe und die mich an einem einzigen Tag an meine körperlichen Grenzen gebracht hat. Im besten Sinne.
Sicherheitshinweis: In Sutjeska und umliegenden ländlichen Gebieten gibt es noch Minenfelder aus dem Krieg. Verlasse niemals markierte Wege. Die aktuellen Karten des BHMAC (Bosnisch-Herzegowinisches Minenaktionszentrum) sind Pflichtlektüre vor jeder Wanderung abseits der Hauptrouten.
Jajce und Trebinje – zwei Städte, die unterschätzt werden
6. Jajce – der Wasserfall mitten in der Stadt
Jajce hat etwas, das ich noch in keiner anderen Stadt Europas gesehen habe: einen 22 Meter hohen Wasserfall mitten im Stadtzentrum. Der Pliva-Wasserfall fließt direkt in die Vrbas, umgeben von Häusern, einer mittelalterlichen Festung und einem der ältesten Tito-Museen des Landes.
Die Mlinčići – traditionelle Holzmühlen am Pliva-See, wenige Minuten außerhalb – sind eines der fotogensten Motive des ganzen Landes. Und trotzdem: Jajce taucht in keinem der Standard-Reisepläne für Bosnien auf. Das ist ein Fehler.
7. Trebinje – Wein, Stille und Dubrovnik ohne Dubrovnik
Trebinje ist die südlichste Stadt Bosniens, 30 Kilometer von Dubrovnik entfernt. Wer Dubrovnik liebt, aber den Massentourismus hasst: Hier ist deine Antwort. Die Altstadt (Stari Grad) ist intakt, gepflegt und ruhig. Das Tvrdoš-Kloster produziert einen der besten Rotweine der Region – die Blatina-Traube, kräftig und dunkel, trinkt sich wie ein Gespräch, das man nicht beenden will.
Die Hercegovačka Gračanica, eine serbisch-orthodoxe Kirche auf einem Hügel über der Stadt, bietet einen Panoramablick, der mich 2022 – auf dem Rückweg von der Berliner Ausstellung, die ich kuratiert hatte – fast eine Stunde festgehalten hat.
Die drei Orte, die kaum jemand kennt
Jetzt kommen die drei Empfehlungen, für die du diesen Artikel eigentlich liest. Ich nenne keine "Geheimtipps" – das Wort ist abgenutzt. Ich nenne sie das, was sie sind: übersehene Orte mit echtem Wert.
8. Lukomir – das höchstgelegene Dorf Bosniens
Lukomir liegt auf 1.469 Metern über dem Meeresspiegel, auf dem Bjelašnica-Plateau, 45 Kilometer von Sarajevo. Es ist das höchstgelegene dauerhaft bewohnte Dorf Bosniens – und eines der wenigen, in dem noch mittelalterliche Stecci (UNESCO-Welterbe) direkt neben bewohnten Häusern stehen.
Im Winter ist das Dorf von der Außenwelt abgeschnitten. Im Sommer weiden Schafe auf den Hochwiesen, alte Frauen tragen noch die traditionelle Tracht der Hergijani, und die Stille ist physisch spürbar. Ich war 2021 mit einer Gruppe von Filmfestival-Gästen hier – alle hatten erwartet, ein folkloristisches Touristenangebot vorzufinden. Was sie fanden: echtes Leben, das einfach weitergeht.
Übernachte in der kleinen Pension im Dorf, wenn du kannst. Die Sterne auf 1.469 Metern sind unfassbar. Eine Tagestour reicht nicht.
9. Počitelj – die Festungsstadt, die Zeit vergessen hat
Počitelj liegt 30 Kilometer südlich von Mostar, direkt an der Neretva. Es ist eine osmanische Festungsstadt aus dem 15. Jahrhundert, die auf einem Kalksteinhang klebt – Moschee, Hamam, Uhrturm, Wohnhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert, alles noch vorhanden. Im Krieg wurde Počitelj schwer beschädigt und teilweise zerstört. Die Restaurierung ist unvollständig, manche Häuser sind Ruinen.
Genau das macht es so eindringlich. Počitelj ist kein Freilichtmuseum. Es ist ein Ort, der noch immer versucht, sich zu erinnern. Ich war hier zuletzt im Herbst 2024, und die Kombination aus Herbstlicht, Kalkstein und dem Rauschen der Neretva unten hat mich länger festgehalten als geplant. Eintritt frei, Parkplatz unten an der Hauptstraße.
10. Štrbački Buk im Nationalpark Una – Plitvice ohne die Massen
Ich sage das direkt: Štrbački Buk ist genauso schön wie die Plitvicer Seen – und du teilst ihn im September mit vielleicht zwanzig anderen Menschen. Der Wasserfall des Una-Flusses ist eine Doppelkaskade aus Travertin, das Wasser leuchtet in einem Blau-Grün, das man nicht für real hält. Rafting-Touren ab Bihać führen direkt daran vorbei.
Der Nationalpark Una im Nordwesten des Landes ist bei deutschen Reisenden fast unbekannt. Das wird sich ändern – und dann wird es zu spät sein, ihn in Ruhe zu erleben. Jetzt ist der richtige Moment.
Praktische Informationen auf einen Blick
| Ort | Beste Reisezeit | Eintritt (ca.) | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Sarajevo | Ganzjährig | Galerija 11/07/95: 5 € | Vijećnica Di–So geöffnet |
| Mostar / Stari Most | Mai, Juni, September | Brücke frei | Foto-Tipp: 8:00–9:00 Uhr |
| Blagaj Tekija | April–Oktober | 5 KM (ca. 2,50 €) | 12 km ab Mostar |
| Kravica | Mai, September | 10 € (Hochsaison) | Im August sehr voll |
| Sutjeska / Perućica | Juni–September | Guide Pflicht, ca. 15–20 € | Max. 16 Pers./Tag, vorbuchen! |
| Jajce | Ganzjährig | Festung: 3 KM | Mlinčići: kostenlos |
| Trebinje | April–November | Altstadt frei | Weinprobe Tvrdoš: ca. 10 € |
| Lukomir | Juni–Oktober | Pension ca. 25–35 €/Nacht | Im Winter nicht erreichbar |
| Počitelj | März–November | Kostenlos | 30 km südlich von Mostar |
| Štrbački Buk / Una NP | Mai–September | NP-Eintritt ca. 5 € | Rafting ab Bihać buchbar |
Währung: Konvertibilna Marka (KM/BAM), 1 € = 1,95583 KM (fest gekoppelt). Bargeld ist in ländlichen Regionen Pflicht. Wechselstuben sind besser als Geldautomaten. Alle Preisangaben Stand 2025.
Mein Fazit nach einem Leben in diesem Land
Ich lebe seit meiner Kindheit in Sarajevo. Ich habe dieses Land in Zeiten erlebt, in denen niemand herkam, und in Zeiten, in denen Mostar plötzlich auf jeder Bucket-List stand. Was mich immer wieder überrascht: Bosnien & Herzegowina hat eine Tiefe, die sich nicht erschöpft. Jedes Mal, wenn ich denke, ich kenne alles, stoße ich auf etwas Neues – ein Dorf, einen Fluss, eine Geschichte.
Die drei Orte, die kaum jemand kennt – Lukomir, Počitelj, Štrbački Buk – sind nicht deshalb besonders, weil sie unbekannt sind. Sie sind besonders, weil sie zeigen, was Bosnien jenseits der Postkarten-Motive ist: ein Land mit Schichten. Historisch, kulturell, menschlich. Wer diese Schichten freilegen will, braucht Zeit. Und die Bereitschaft, den Reiseführer wegzulegen.
— Selma Jusufović, Sarajevo, 2025
FAQ – Häufige Fragen zu den schönsten Orten in Bosnien
Was ist der bekannteste Ort in Bosnien & Herzegowina?
Der bekannteste Ort ist zweifellos der Stari Most in Mostar – die 1566 erbaute osmanische Bogenbrücke, die seit 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Sarajevo als Hauptstadt und Austragungsort der Olympischen Spiele 1984 ist ebenfalls international bekannt.
Welche Orte in BiH sind am wenigsten touristisch?
Lukomir (höchstgelegenes Dorf Bosniens), der Nationalpark Una mit dem Štrbački Buk und die Festungsstadt Počitelj sind bei deutschen Reisenden kaum bekannt. Auch Trebinje im Süden der Herzegowina wird stark unterschätzt.
Wann ist die beste Reisezeit für Bosnien?
Mai bis Juni und September bis Oktober sind ideal: angenehme Temperaturen, weniger Touristen als im Hochsommer, und die Wasserfälle führen noch oder wieder mehr Wasser. Im August ist es heiß (bis 35°C in der Herzegowina) und in Mostar und an Kravica sehr voll.
Wie viele Tage sollte man für BiH einplanen?
Für die klassischen Orte (Sarajevo, Mostar, Blagaj, Kravica) reichen 5–7 Tage. Wer auch Jajce, Trebinje, den Nationalpark Sutjeska oder Una sehen möchte, sollte mindestens 10–14 Tage einplanen. Sarajevo allein verdient mindestens 3 volle Tage.
Ist Bosnien sicher für Reisende?
Bosnien ist für Touristen sehr sicher – die Kriminalitätsrate ist niedrig. Wichtiger Hinweis: In ländlichen Gebieten (besonders Sutjeska, Romanija, Nordosten) gibt es noch Minenfelder aus dem Krieg. Markierte Wege und Straßen niemals verlassen. Die Karten des BHMAC geben Auskunft über betroffene Gebiete.
Brauche ich für Bosnien ein Visum?
Nein. Bürger aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und allen EU-Ländern reisen visumfrei ein – bis zu 90 Tage. Ein gültiger Personalausweis genügt, kein Reisepass nötig.